Eugen Spiro Gemälde-Angebote Galerie von Abercron
Eugen Spiro:
Gemälde-Angebote

Eugen Spiro
Geboren 1874 in Breslau
Gestorben 1972 in New York
1874 Geboren am 18. April als Sohn einer musisch-künstlerisch begabten jüdischen Kantoren-Familie
1892-1897 Studium in Breslau bei Albrecht Bräumer, in München als Meisterschüler bei Franz von Stuck
1897-1904 Aufenthalte in Italien, Breslau und München. Mitglied der Münchner Sezession, Titelbilder für die Jugend, Ausstellungen des Deutschen Künstlerbunds
1903 Heirat mit der Schauspielerin Tilla Durieux
1904-1906 Berlin. Mitglied der Berliner Sezession (u.a. mit Lovis Corinth, Max Slevogt, Lesser Ury)
1906-1914 Paris. Professor an der Académie moderne und der Académie des Beaux-Arts. Ausstellungen im Salon des Tuileries. Verkehrt im Künstlerkreis des Café du Dôme. Zahlreiche Porträt-Aufträge
1914-1935 Rückkehr nach Berlin. Zweite Ehe mit Elisabeth Saenger-Sethe. Vorstandsmitglied der Berliner Sezession (bis 1933), Professor an der Staatlichen Kunstschule, Mitglied der Ankaufskommission der Nationalgalerie.
1920-1932 Mal-Reisen durch Europa und nach New York. Graphikmappen, Zeichnungszyklen, teils im Auftrag von Mäzenen
1935-1940 Emigration nach Paris. Mitbegründer und Vorsitzender der union des artistes libres (zusammen u.a. mit Max Beckmann, George Grosz, Oskar Kokoschka,Wols)
1941 Ausreise in die USA nach Intervention u.a. Thomas Manns bei  Präsident Roosevelt. Dritte Ehe mit Lilli Jacoby
1942-1972 New York. Verschiedene Lehraufträge. Seit  1943 regelmäßige Einzelausstellungen der Galerie St. Etienne  New York
Zahlreiche Portraits, vor allem prominenter europäischer Emigranten. Serie der Musikerlithographien und der alttestamentlichen Propheten. Landschaftsgemälde. Jährliche Mal-Reisen nach Italien, Dänemark und in die Schweiz
1972 Eugen Spiro stirbt am 26.9.1972 in New York
 

 

Werk

Eugen Spiro gehört zu den bedeutenden deutschen Malern des 20. Jahrhunderts, das er künstlerisch tätig sieben Jahrzehnte lang begleitete. In seinem Werk nahm er die aktuellen Anregungen des Jugendstils, der französischen Impressionisten und der Berliner Sezession auf, schuf jedoch einen ganz eigenen Stil, der koloristische Brillanz und souveräne Freiheit des Pinselstrichs mit großzügiger Auffassung des Motivs verbindet.

In der Zwischenkriegszeit wie auch später im New Yorker Exil war er gesuchter Maler der geistigen und gesellschaftlichen Prominenz. In seinen Portraits durchdringt er mit psychologischer Einsicht das Wesen des Abgebildeten, und fängt die Atmosphäre der Epoche ein. Die Bildnisgalerie reicht von Max Planck, Albert Einstein über Theodor Heuss und Leo Baeck bis Rainer Maria Rilke, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann und ist eine malerische Chronik des 20. Jahrhunderts. Die Serie der Musikerlithographien von 1920 und 1946 ist ein gezeichnetes Kompendium der zeitgenössischen Musikerelite. In den Bildnissen seiner Familie (u.a. Samuel Saenger, Irma Saenger-Sethe, Baladine Klossowski, Pierre Klossowski, Balthus) und Bekannten (Arthur Schnabel, Adolf Busch, Fritz Busch) bezaubern die Frische und natürliche Anmut des Ausdrucks. Das Werk seiner zweiten Lebenshälfte umfasst zudem zahlreiche Landschaften, die auf ausgedehnten Studienreisen entstanden, Architekturansichten und Stilleben. Sie sind schöne Zeugnisse für den künstlerischen Reifeprozess und die unaufdringliche Meisterschaft des Spätwerks. Thomas Mann urteilte 1943: "vielleicht der begabteste und phantasiereichste … Erbe des französischen Impressionismus". Seine Bilder werden in zahlreichen internationalen Museen und Sammlungen aufbewahrt. Im Sommer 2011 wurde ein Teil seines schriftlichen Nachlasses der Akademie der Wissenschaften in Berlin übergeben, die eine wissenschaftliche Auswertung plant.

Werke in Museen (Auswahl):

  • Berlinische Galerie, Berlin

    Historisches Museum, Berlin

  • Jüdisches Museum, Berlin

  • Nationalgalerie Berlin, Kupferstichkabinett Berlin

  • Kunsthalle Bremen

  • Historisches Museum der Stadt Breslau

  • Bezalel Museum, Jerusalem

  • Schiller-Nationalmuseum, Marbach

  •  Neue Pinakothek München

  • Museum of the City of New York

  • Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

  • Musée de l’Art Moderne, Paris

  • Carnegie Foundation Pittsburgh

  • Ostdeutsche Galerie, Regensburg

  • Museum Tel Aviv

Werke in Institutionen (Auswahl):

  • TH Aachen

  • Deutsches Theater Berlin

  • Max-Planck-Institut Berlin-Dahlem

  • Reichstag Berlin

  • Freie Universität Berlin

  • Sammlung Marcel Reich-Ranicki, Frankfurt/Main

  • Zeppelinwerke Friedrichshafen

  • Erzdiözese, Michigan Detroit

  • Hunter College New York

  • Außenministerium Prag

  • Staatstheater Stuttgart

  • Library of Congress, Washington

  • Deutsche Botschaft, Washington

  • Sammlung Ferdinand D’Este Wien

Literatur:

Die Erinnerungen Peter Spiros an seinen Vater Eugen Spiro

Peter Spiro: Nur uns gibt es nicht wieder. Erinnerungen an meinen Vater Eugen Spiro, meine Vettern Balthus und Pierre Klossowski, die Zwanziger Jahre und das Exil,  Edition Memoria Verlag, Köln, 2010

„Saach mal, Kleena, wo wohnen denn hier die Prominenten?“ wollte ein Berliner Ausflügler von dem jungen Peter Spiro auf Hiddensee wissen. Peter Spiro musste es wissen, war er doch selbst Sohn eines der bekanntesten deutschen Maler der zwanziger Jahre, nämlich von Eugen Spiro, dem Porträtisten der intellektuellen und sozialen Prominenz jener Zeit.

 „Prominenten-Gucken“ kann man daher auch in Peter Spiros 2010 im Edition Memoria-Verlag erschienenen Erinnerungen: „Nur uns gibt es nicht wieder.“ Der über neunzigjährige Peter Spiro hat seine Erinnerungen an eine Berliner Kindheit und Jugend in den zwanziger und dreißiger Jahren niedergeschrieben. Sie führen uns zurück in eine verlorene Welt, in die Welt des kosmopolitischen deutsch-jüdischen Großbürgertums mit weitgespannten geistigen Interessen. Im Heim der Eltern Eugen und Elisabeth Spiro gingen Franz Heckendorf, Leo von König, Hans Purrmann ein und aus. Peter Spiro beschwört den mondänen Lebensstil der Elite der „goldenen Zwanziger“ mit Sommerreisen in die südlichen Badeorte, dienstbotenreichen Haushalten und europaweitem geistigen Austausch. Die verwandtschaftliche Einbindung der Spiro-Familie in ein weitgespanntes Netzwerk von Künstlern, Publizisten und Diplomaten hat dazu beigetragen. Zu den Verwandten zählten etwa Peters Vettern Pierre Klossowski, der spätere Philosoph, Essayist, und Balthasar Klossowski, der als Maler „Balthus“ Weltruhm erlangen sollte.

Daneben stehen Erzählungen aus dem Alltag, die immer wieder Einblicke in die Lebenswirklichkeit auch der „kleinen Leute“ geben. Von besonderem Interesse sind die Kapitel, in denen Peter Spiro vom allmählich aufziehenden Nationalsozialismus in Berlin erzählt und den Listen, mit denen die Familie und ihre Bekannten zunächst die Absurditäten der antisemitischen Diskriminierung zu unterlaufen wußten. Die letzten Kapitel handeln vom Abschied von Deutschland, dem Leben der Eltern in Paris und Peter Spiros Ingenieursstudium in London. Obwohl der Autor die Not der Emigration nicht beschönigt, beschreibt er die schweren Jahre des Exils ohne Larmoyanz, mit einem vielleicht der britischen Zweitheimat geschuldeten understatement und trockenem Humor. Die geschichtliche Tragweite der Emigration, der Verlust der Heimat für die Exilierten und der Verlust einer geistig-künstlerischen Elite für Deutschland, konzentriert sich für Peter Spiro in dem bitteren Ausruf der Mutter, mit dem er seine Memoiren beschließt: „In Berichten von diesen Berlin-Aufenthalten ließ ich einmal den Satz fallen: ‚Ullstein ist wieder ganz groß!’ – ‚Ja’, sagte meine Mutter ganz erregt: ‚Das gibt es wieder, und das gibt es wieder, alles gibt es wieder, nur uns gibt es nicht wieder.’“

Peter Spiros Stil ist unprätentiös, das Erinnerungsvermögen frisch und lebendig, in seiner Detailgenauigkeit staunenswert, die Erzählung wird immer wieder belebt durch Anekdoten und Charakter-Miniaturen. Ein Nachwort des Kunsthistorikers Hartmut Zielinski sowie zwei Selbstzeugnisse Eugen Spiros runden die Erinnerungen ab. Ein Anhang mit 32 ganzseitigen Farbtafeln zeigt Gemälde Eugen Spiros, sowie von Peter Spiro und Eugens Enkelin Elizabeth Spiro. Dieses Buch ist Schilderung eines glanzvollen und bewegenden Familienschicksals, Baustein zur Kulturgeschichte, und nicht zuletzt Anstoß, sich wieder mit einem Maler zu beschäftigen, der in der Wahrnehmung seiner Zeitgenossen auf einer Stufe mit Max Liebermann stand.

Das sorgfältig und aufwendig verlegte Buch: „Peter Spiro: Nur uns gibt es nicht wieder, Köln 2010“ ist im Verlag Edition Memoria, Thomas Schumann, erschienen und über den Buchhandel zu beziehen. 

Weiterführende Links:
Rezension von Andreas Platthaus in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 9.6.2010:
http://www.faz.net/-00vq5z

WEITERE KÜNSTLER

Gerhard Elsner

www.gerhard-elsner.de

Alexander Kinsky

www.alexander-kinsky.de

Michaela Krinner

www.michaelakrinner.de

Felix Pfefferkorn

www.felix-pfefferkorn.de

Heiko Pippig

www.heiko-pippig.de

Jakob Salzmann

www.jakob-salzmann.de

Bernd Schwarzer

www.schwarzer-bernd.de

Eugen Spiro

www.eugen-spiro.de

Max Stern

www.max-stern.de

Erich Waske

www.erich-waske.de
   
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